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Frankfurt intern · NOTIZ VOM · LP-013

Der Frankfurter GrünGürtel passt nicht in mein Skizzenbuch

Rund 80 Quadratkilometer, drei Landschaften und ein Zeichner, der alles mit einem Strich erledigen wollte. Die Linie hält sich nicht an den Heftrand.

Der Lokpfogel versucht, einen großen gefalteten Landschaftsplan in ein kleines Skizzenbuch zu stecken. Dahinter liegen Flusswiese, Obsthang, Wald und die Frankfurter Skyline.
Der Vorgang reicht über den Seitenrand.

Ich wollte den Frankfurter GrünGürtel mit einer einzigen Linie erledigen. Auf dem Papier schließt sich die Kurve so ordentlich. Ich setzte den Vogel mit Amtshut ans Ende, gab ihm einen Stempel und hob den Bleistift.

Danach sah ich, dass ich nur den Rand gezeichnet hatte. Was darin liegt, war noch offen.

Der GrünGürtel umfasst rund 80 Quadratkilometer, ungefähr ein Drittel der Stadtfläche. Die Stadt zählt drei große Landschaftsräume dazu: das Niddatal im Nordwesten, den Berger Rücken im Nordosten und den Stadtwald im Süden. Wer sie auf dem Papier zu einer grünen Linie zusammenfasst, bekommt eine brauchbare Übersicht. Wer genau hinschaut, findet drei sehr verschiedene Seiten.

Ein Blatt, drei Maßstäbe
Akte Eintrag
Beschluss 1991. Schutz und Weiterentwicklung des GrünGürtels.
Fläche Rund 80 km², ungefähr ein Drittel der Stadt.
Landschaften Niddatal im Nordwesten, Berger Rücken im Nordosten, Stadtwald im Süden.
Flächenbilanz 1991 bis 2020 65,83 Hektar kamen hinzu, 13,31 Hektar gingen ab. Zerschneidungen durch Straßen und Bahntrassen stehen nicht in dieser Flächenbilanz.
Die Stadt Frankfurt bilanziert hier Flächenbeschlüsse. Die Werte sagen noch nicht, wie zusammenhängend sich ein Weg anfühlt.

Der Rand ist ein Beschluss, keine Parkmauer

Die Stadtverordnetenversammlung beschloss 1991 die GrünGürtel-Verfassung. Sie sollte die freien Flächen sichern und ihre Entwicklung lenken. Wird ein Stück herausgenommen, muss an anderer Stelle ein vergleichbarer Ersatz ausgewiesen werden. Dafür braucht es ebenfalls einen Beschluss. Das ist ein Schutz mit Regeln und Zuständigkeiten, keine Behauptung, die Landschaft könne sich nie verändern.

Auch die Idee eines grünen Rings begann nicht erst mit diesem Beschluss. Frankfurt hatte bereits die Wallanlagen aus der früheren Stadtbefestigung, legte um 1900 einen Alleenring an und dachte in den 1920er Jahren über einen weiteren Grünzug entlang der Nidda nach. Diese Vorläufer sind nicht derselbe GrünGürtel, helfen aber beim Verständnis: Eine Stadt kann ihre freien Räume als Teil ihrer Form behandeln, statt sie nur als übrig gebliebene Stücke zu zählen.

Die Summe und die Lücke

In der Flächenbilanz der Stadt kamen zwischen 1991 und 2020 mehr Hektar hinzu als ab. Das klingt nach einem eindeutigen Erfolg, bis eine zweite Zeile dazukommt: Die gleiche städtische Dokumentation hält fest, dass die zunehmenden Zerschneidungen durch Straßen und Bahntrassen in dieser Bilanz nicht erfasst sind. Eine Zahl beschreibt, was zur markierten Fläche gehört. Sie beschreibt nicht automatisch, wie gut zwei Wiesen, ein Weg und ein Waldstück miteinander verbunden sind.

Der GrünGürtel erfüllt laut Stadt wichtige Aufgaben für Erholung, Pflanzen und Tiere sowie das Stadtklima. Solche Aufgaben verteilen sich nicht gleichmäßig wie grüne Farbe in einem Ausmalbild. Ein Feld, ein Flussufer und ein Waldstück sind nicht austauschbar. Ihre Lage, ihre Ränder und die Wege dazwischen verändern, was Menschen dort tun können und wie die Landschaft in die Stadt hineinreicht.

Die dokumentierte Flächenbilanz und die planerischen Ziele stehen im städtischen Bericht zum 30. Jubiläum des GrünGürtels. Für meine Zeichnung ist vor allem die Fußnote wichtig: Eine offene Verbindung lässt sich nicht an ihrer Fläche allein erkennen.

Drei kleine Ausschnitte statt eines großen Kreises

Auf meiner Seite bekommen die Landschaften deshalb drei eigene Ausschnitte. Ein Stück offener Himmel über dem Niddatal. Eine Baumkante am Berger Rücken. Dunkle Stämme im Stadtwald, zwischen denen ein heller Weg weiterführt. Ich muss daraus keine Wegbeschreibung machen und keine Runde in einem Nachmittag schaffen. Ein einzelner Übergang kann für eine Seite genügen.

Das ist auch eine brauchbare Übung, wenn du selbst vor Ort zeichnest: Fang nicht beim Umriss der ganzen Stadt an. Nimm dir eine Kante vor. Wo endet die Wiese? Wo beginnt der Schatten? Welche Linie führt das Auge weiter, auch wenn ein Zaun, eine Straße oder ein anderer Ausschnitt dazwischenliegt? Eine Karte darf das ordnen. Dein Skizzenbuch darf zeigen, wo es komplizierter wird.

Der Vogel verlangt inzwischen nach einem größeren Stempel. Ich habe ihm gesagt, dass der Vorgang nicht abgeschlossen ist. Die Linie läuft schließlich weiter.

Zeichnung

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