Mainufer Frankfurt: ein Spaziergang mit drei Zeichenpausen
Eine Bank, ein Brückendetail und viel unbeschriebenes Wasser. Mein kleiner Zeichenweg zwischen Alter Brücke und Eiserner Steg.
Ein Spaziergang am Mainufer in Frankfurt kann sehr kurz werden, wenn man zeichnen möchte. Zwischen Alter Brücke und Eisernem Steg finde ich genug Motive für mehrere Seiten. Dass die Strecke nicht weit ist, kommt mir entgegen. Mein Zeichentempo ist schlecht mit einer sportlichen Routenbeschreibung vereinbar.
Ich bleibe für diese kleine Runde am nördlichen Ufer und suche mir drei mögliche Pausen. Die Vorschläge sind Motive, keine festen Sitzplatzreservierungen. Wenn ein Bereich abgesperrt, voll oder für andere nötig ist, gehe ich weiter. Am Wasser, auf Wegen und an Brücken bleiben Durchgänge frei.
Erste Pause: eine Bank
Eine leere Bank ist ein vollständiger Anfang. Zwei seitliche Formen, eine Sitzfläche, eine Lehne. Ein kleiner Ausschnitt reicht. Ich muss nicht gleich beweisen, dass ich Frankfurt zeichnen kann.
Hinter die Bank setze ich einen niedrigen Strich für das andere Ufer. Mehr zunächst nicht. Die größte Verbesserung meiner Zeichnungen war lange Zeit, früher aufzuhören. Danach habe ich häufig noch etwas hinzugefügt und die Verbesserung wieder zurückgenommen.
Wenn die Bank besetzt ist, zeichne ich ein anderes Detail oder frage, falls ich eine Person erkennbar darstellen möchte. Für meine üblichen schnellen Seiten brauche ich keine fremden Gesichter. Einen Mantel kann man auch als zwei unauffällige Striche andeuten.
Zweite Pause: eine Verbindung statt der ganzen Brücke
An einer Brücke interessieren mich die Stellen, an denen etwas zusammenhält: eine Strebe, ein Übergang, ein Stück Geländer. Ich suche einen sicheren Standpunkt, statt mich für einen besseren Winkel irgendwo anzulehnen, wo das keine gute Idee ist.
Für die Skizze ziehe ich zuerst die längste Kante. Dann ergänze ich zwei angrenzende Formen. Ich lasse den Rand des Motivs offen. Die Zeichnung muss nicht so tun, als hätte sie einen Anspruch auf Vollständigkeit.
In meinem Kopf tritt dabei der Lokpfogel auf, prüft die Statik meiner Linien und fordert einen weiteren Strich. Ich gebe ihm meistens keinen. Er hat keine Ausbildung in diesem Bereich.
Dritte Pause: das Wasser darf weiß bleiben
Am Main gerate ich leicht in den Wunsch, jede Spiegelung zu erklären. Dafür reicht ein kleines Buch nicht aus. Ich setze einige kurze horizontale Linien, halte einen großen Bereich frei und schaue noch einmal hin.
Diese weiße Fläche ist kein unfertiger Teil. Sie sorgt dafür, dass der Rest überhaupt Luft hat. Bei einer einzelnen Taube auf dem Geländer gilt dasselbe: Ein Umriss und eine Haltung können mehr erzählen als hundert Federstriche. Den Tauben und ihrer unverdienten Beamtenrolle habe ich später eine eigene Notiz gewidmet.
Was ich mitnehme, was ich weglasse
Mein kleines Buch, einen Stift, eine Klammer. Bei kühlem Wetter eine Jacke, weil Stehenbleiben anders ist als Gehen. Ich lege nichts an die Uferkante und hänge die Tasche nicht ans Geländer. Das Wasser benötigt keine weiteren Zeichenutensilien.
Wer noch nie draußen gezeichnet hat, findet meinen einfachen Einstieg ins Urban Sketching auf der Nachbarseite. Die Runde lässt sich jederzeit verkürzen. Eine einzelne Pause ist auch ein Spaziergang mit Zeichnung.
Auf der letzten Seite meines Buchs steht eine Bank, die viel gerader aussieht als die erste. Ich hatte sie aus Versehen auf der Rückseite derselben Papierfalte gezeichnet. Der Lokpfogel führt das als bauliche Unterstützung.
