Berger Straße: Mein Skizzenbuch kommt nicht bis zum Ende
Ich wollte die Berger Straße zeichnen. Dann blieb ich an einem schiefen Stuhl hängen. Ein kleiner Spaziergang durch Bornheim.
Wer die Berger Straße in Frankfurt zeichnen möchte, kann einen ganzen Straßenzug anfangen. Ich würde inzwischen mit einem Stuhl beginnen. Meiner stand vor einem Laden und hatte vier Beine, von denen ich beim Zeichnen nur drei überzeugend unterbringen konnte.
Die Berger Straße zieht sich durch Nordend und Bornheim. Für diesen Spaziergang bleibe ich in dem Abschnitt rund um Höhenstraße, Bornheim Mitte und weiter Richtung Seckbacher Landstraße. Das ist keine geprüfte Wanderroute mit Minutengarantie. Es ist die Strecke, auf der ich häufig etwas einkaufen will und anschließend mit einer Zeichnung nach Hause komme.
Ein kleines Motiv vor dem großen Haus
An einer ganzen Fassade muss ich zu viele Entscheidungen gleichzeitig treffen. Wo endet das Erdgeschoss? Wie viele Fenster sind es? Warum ist das Dach schon fertig, bevor ich bei der Haustür angekommen bin?
Ein Stuhl verlangt weniger. Sitzfläche, Lehne, Beine. Dahinter reichen ein Stück Wand und eine Andeutung des Gehwegs. Die Straße ist noch erkennbar, obwohl ich fast alles weglasse.
Für einen ersten Versuch würde ich mir ein unbewegliches Detail suchen: einen Hauseingang, ein angelehntes Fahrrad, eine Auslage ohne Personen davor. Nicht mitten im Durchgang stehen. Wer vor einer Tür zeichnet, sollte ihr zugestehen, dass sie gelegentlich benutzt wird.
Die Straße darf weiterlaufen
Ich zeichne hier lieber kurze Abschnitte als ein Panorama. Eine kleine Szene pro Seite. Auf der nächsten Seite kann etwas ganz anderes auftauchen. So muss ein angeschnittener Hauseingang nicht zu einer falschen Übersicht über Bornheim werden.
Menschen zeichne ich als flüchtige Figuren, ohne erkennbare Gesichter oder erfundene Lebensgeschichten. Für einen beobachteten Mantel brauche ich keinen vollständigen Charakter. Wenn jemand deutlich nicht gezeichnet werden möchte, suche ich mir ein anderes Motiv. Die Stadt hat genug Regenrinnen.
Was mir an der Berger gefällt, passt selten in ein Sehenswürdigkeitenfoto. Ein zu großes Schild über einer kleinen Tür. Ein Fahrrad, das nach einem komplizierten Gespräch mit seinem Schloss aussieht. Stühle, die sich beim Zusammenstellen nicht auf einen Stil einigen konnten.
Was in meiner Tasche liegt
Ein kleines Buch und ein schwarzer Stift reichen mir für diese Runde. Dazu kommt eine Klammer, weil meine Seiten gern vorzeitig umblättern. Ich kaufe unterwegs kein neues Material, um ein misslungenes Fenster zu entschuldigen.
Wenn du lieber erst an einem überschaubaren Platz anfängst, habe ich meine kleine Urban-Sketching-Routine für Frankfurt aufgeschrieben. Sie funktioniert ohne ganze Straßenzüge. Für mehr Platz um das Motiv herum nehme ich das Buch mit an den Main.
Den Stuhl habe ich auf der Berger schließlich fertig gezeichnet. Danach wollte ich noch Brot holen. Vor der Bäckerei fiel mir eine ausgezeichnete Regenrinne auf.
