Der Drucker hat die Zeichnung anders verstanden
Auf dem Bildschirm hatte der Vogel noch Füße. Ein kleiner Probedruck aus meinem Skizzenbetrieb in Frankfurt-Ostend.
Auf dem Bildschirm hatte der Vogel Füße. Auf dem Papier nicht mehr.
Ich stand in der Druckwerkstatt und hielt einen Probedruck in der Hand, auf dem der Lokpfogel ungefähr ab dem Bauch in die Zuständigkeit eines anderen Blatts überging. Es war meine eigene Zeichnung, kein Auftrag. Das ist für die Stimmung bei solchen Entdeckungen hilfreich.
Zuerst gab ich dem Drucker die Schuld. Er steht näher und kann nicht sofort antworten. Danach sah ich mir die Datei an. Ich hatte den Vogel selbst so dicht an die Kante gesetzt, dass der Ausdruck kaum eine Chance auf einen vollständigen Dienstantritt hatte.
Für eigene kleine Drucksachen mache ich einen Probedruck und kontrolliere Format, Skalierung und den Abstand wichtiger Teile zum Rand. Die konkreten Vorgaben hängen vom Druckverfahren und dem jeweiligen Produkt ab. Ich sollte sie vorher nachsehen, nicht erst hinterher als mögliche Erklärung entdecken.
Diesmal legte ich den misslungenen Bogen neben einen sauberen Abschnitt. Darauf zeichnete ich die Füße einzeln weiter. Der Lokpfogel stand nun auf einem zweiten Blatt, ein Stück von sich selbst entfernt.
Das sah aus, als hätte er einen Außentermin.
Ich rückte den Abschnitt etwas nach rechts. Dann noch ein bisschen. Die Lücke zwischen Bauch und Füßen wurde größer, und der Blick der Figur passte plötzlich sehr gut dazu. Es war der erste Fehler an diesem Nachmittag, den ich nicht beheben wollte.
Zu Hause habe ich die beiden Teile abgezeichnet. Nicht als Druckanleitung, sondern als kleine Szene: ein Vogel, dessen Standort von seiner Anwesenheit abweicht.
Das Original liegt jetzt in einer Mappe. Auf dem Reiter steht „Fehldrucke“. Es ist eine optimistische Beschriftung. Einige der anderen Mappen sind ebenfalls so entstanden.
In meinem Fundbüro wäre der Vogel wahrscheinlich wieder vollständig erfasst worden. Ich lasse die Füße vorerst auf dem zweiten Blatt.
