Caricatura Frankfurt: Für einen Witz darf die Zeichnung einfach sein
Ein Museum für Komische Kunst und meine Neigung, jeden leeren Platz noch mit einer Linie zu füllen. Eine Notiz vor dem nächsten Besuch.
Das Caricatura Museum Frankfurt ist ein Museum für Komische Kunst am Weckmarkt. Ich finde schon die Bezeichnung angenehm. Sie kündigt kein verbissenes Verhältnis zwischen Ernsthaftigkeit und Zeichnung an.
Diese Notiz ist kein Bericht über einen Besuch an diesem Datum. Ich habe mich vor einem nächsten Museumsnachmittag mit dem Programm beschäftigt und bin dabei wieder bei meiner üblichen Frage gelandet: Wie viel muss eigentlich auf das Blatt?
Im Tagesspiegel-Bericht über die Werkschau von Katharina Greve geht es um eine Ausstellung mit unterschiedlichen Arbeitsformen, darunter Cartoon und Comic. Mich interessiert an solchen Einblicken besonders der Abstand zwischen einer Idee und dem Moment, in dem man aufhört, sie zu erklären.
Ein Strich, der etwas tut
In meinen eigenen Zeichnungen ist der erste Entwurf oft klarer als die sorgfältige Fassung. Im Entwurf steht ein Vogel vor einer Schachtel. In der fertigen Version habe ich eine Schreibtischlampe ergänzt, ein Fenster, eine Zimmerpflanze und eine Geschichte über die Qualifikation des Vogels. Die Schachtel sieht man kaum noch.
Es fehlt mir dann nicht an Fleiß. Eher an der Bereitschaft, einen ausreichend guten Einfall in Ruhe zu lassen.
Wenn ich mir Cartoons ansehe, versuche ich deshalb zunächst herauszufinden, welche einzelne Beziehung das Bild trägt. Wer schaut wohin? Was gehört nicht an diesen Ort? Welcher kleine Gegenstand ist zu groß geraten? Das ist etwas anderes, als den Zeichenstil möglichst genau abzuschreiben.
Ich nehme solche Fragen mit nach Hause. Fremde Figuren, Bildwitze und Texte bleiben bei ihren Urheberinnen und Urhebern. Eine Museumsseite oder einen Artikel benutze ich nicht als Materiallager für meinen Blog.
Vor dem Besuch nachsehen
Wer selbst ins Caricatura Museum möchte, sollte Öffnungszeiten, Eintritt und den Zugang zu einzelnen Bereichen vor der Fahrt direkt beim Museum prüfen. Ich führe hier keinen Veranstaltungskalender. Auch ein Museum kann zeitweise Teile seines Hauses schließen. Aus einer alten Blognotiz sollte deshalb keine Zusicherung für einen bestimmten Nachmittag werden.
Meinen Skizzenblock nehme ich nur dort heraus, wo es erlaubt ist. Ich muss nicht aus jedem Kulturtermin sofort eine eigene Produktion machen. Manchmal reicht es, später aufzuschreiben, welche Frage hängen geblieben ist.
Die heutige Frage habe ich mit nach Bornheim genommen und auf meinem Tisch liegen lassen. Daneben lag ein Comic mit vier Bildern, der schon wieder eine fünfte Erklärung bekommen sollte.
Ich habe die zusätzliche Sprechblase ausgeschnitten. Auf der Rückseite stand meine Einkaufsliste. Wenigstens dafür war die Fläche brauchbar.
